Neue Ophicleide entwickelt
Von Vogtländischen Instrumentenbauern wurde 2002/2003 erstmalig weltweit eine neue Ophicleide gebaut, die den typischen Klang des historischen Instrumentes und eine leichte Spielbarkeit vereint.
Die Ophicleide ist das Baßinstrument der Klappenhornfamilie und wurde 1817 zum ersten Mal gebaut. Dieses Vorgängerinstrument von Tuba und Saxophon wurde bis Ende des 19.Jh. als Blechbaß in der Spätromantischen Musik (Berlioz, Mendelssohn, Verdi, Wagner u.a.) eingesetzt. Während dieser Zeit erhielt die Ophicleide lediglich Verbesserungen, indem die Anzahl der Klappen von 9 auf 12 erhöht wurde. Für die Intonation entscheidende Faktoren wie der Mensurverlauf und der genaue Klappensitz wurden aber nie optimiert. Deshalb ließ sich die Ophicleide nur schwer beherrschen, und dies dürfte neben dem zu geringen Tonvolumen für die Freiluftmusik der wesentliche Grund für das Aussterben dieses charaktervollen Instruments gewesen sein.
Häufig auftretende Fragen sind:
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1. Warum ist ein Ophicleiden-Neubau notwendig?
In vielen Antiquitätenläden speziell in Frankreich und Großbritannien gibt es noch eine ausreichend große Anzahl von originalen Ophicleiden aus dem 19. Jahrhundert, unter denen sich auch genügend spielfähige Instrumente finden lassen.
Doch diese alten Instrumente weisen folgende Konstruktionsfehler auf:
- Das große Rohr nimmt überproportional an Durchmesser zu, wodurch sich die Obertonreihe verschiebt.
- Durch die zylindrischen Rohrpartien im Stimmzug im Mundrohr verschlechtert sich die Tonentwicklung.
- Der Sitz der Tonlöcher ist zu ungenau.
- Die Anzahl von oft weniger als 11 Klappen ermöglicht kein durchgängiges chromatisches Spielen.
Diese Konstruktionsfehler mindern die Spieleigenschaften der historischen Instrumente erheblich. Deshalb sind eine überdurchschnittliche Vertrautheit des Musikers mit den klanglichen und intonatorischen Gegebenheiten des jeweiligen Instruments und ein hoher zeitlicher Übungsaufwand erforderlich. Solistischen Passagen bergen ein ziemlich großes spielerisches Risiko.
Damit genügen die historischen Instrumente nicht mehr der heutigen hohen Erwartungshaltung an einen Profimusiker sowohl in romantischen als auch modernen Orchestern und den Ansprüchen des Publikums.
2002 bis 2008 wurde von Erhard Schwartz in Zusammenarbeit mit einem innvoativen Instrumentenbauer eine – weltweit einzigartige - Ophicleide entwickelt, die die genannten Konstruktionsfehler nicht mehr aufweist und somit baulich und klanglich optimiert wurde.
Der Prototyp der Serie ist am Bolschoi-Theater in Moskau im Einsatz.
2. Einsatz und Verbreitung der Ophicleide
Die Ophicleide wurde 1817 das erste Mal in Paris gebaut und erschien schon 1819 bei der Bühnenmusik zu Spontinis „Olympie“ in der Musikpraxis. Seitdem war sie bis ca. 1880 das wichtigste Baßinstrument der Blechbläser-besetzungen in Militär-, Kirchen- und Sinfonischer Musik insbesondere in Frankreich, England, Spanien und Italien. Bekannte Komponisten, die die Ophicleide in ihren Werken eingesetzt haben, sind: Berlioz, Verdi, Rossini, Meyerbeer, Mendelssohn-Bartholdy, Donizetti, Puccini, Sullivan und Wagner.
In Deutschland und Osteuropa verbreitete sich die bereits 1835 entwickelte Tuba durch die Militärmusik schneller. Daher ist die Zahl der dort für Ophicleide geschriebenen Kompositionen geringer.
3. Warum lässt sich die Ophicleide nicht durch andere Instrumente ersetzen?
Bedeutende Komponisten waren und sind in der Regel auch erstklassige Arrangeure ihrer eigenen Werke, die genau wissen, wann sie welchen Klang hören wollen.
So wird die Ophicleide, neben ihrer Hauptaufgabe als Tutti- und Baßinstrument, auch gern solistisch für Effekte eingesetzt. Besonders prominent sind an dieser Stelle natürlich das „Dies irae“ aus Berlioz’ „Symphonie fantastique“, das Löwengebrüll in der Ouvertüre zum „Sommernachtstraum“ oder die Parodie von Pirots Lied in „Benvenuto Cellini“. Substituiert man diese Werke mit einer Tuba, verschiebt sich die Klangbalance im Orchester. Selbst beim Einsatz einer Tenortuba, die ebenso ein 8-Fuß-Instrument ist wie die Ophicleide, weichen doch die Anzahl der zu messenden Obertöne und der Klangcharakter gewaltig voneinander ab.
Ein wichtiger Vorteil der Ophicleide ist auch ihr hervorragendes klangliches Mischverhalten mit anderen Instrumenten.

